Self

Warum müssen wir manchmal leiden, was machen Schmerzen mit uns?

(Ende meines letzten Blogposts:) Ist es überhaupt richtig zu glauben, wir müssen Andere vor ihrem eigen gewähltem Leid und Schmerz bewahren?

Zum Ende meines BWL Studiums musste ich noch „Soziale Punkte“ sammeln und habe mich dabei für ein 4 Wöchiges Praktikum im Kindergarten entschieden. Diese Zeit hat mir viel gegeben, aber auch einiges an täglicher Kraft gekostet. Ich habe sehr große Achtung vor Kindergärtnerinnen und hatte die Arbeit vorher wirklich unterschätzt.
Was ich dabei über mich selbst gelernt habe: dass ich auf jeden Fall noch nicht abgehärtet war und eher zu einer ängstlichen Aufsicht tendierte. Mein Puls schlug immer höher, wenn ich 3 Jährige Kinder mit Scheren umher laufen sah oder wir zusammen mit Kerzen Wachsfiguren bastelten. Wäre es zu dem Zeitpunkt nach mir gegangen, hätte es diese Sachen vermutlich dort nicht gegeben.
Dann aber musste ich den Außendienst machen und ein kleiner Junge kletterte eine Leiter hoch. Als er oben ankam, wusste er nicht wie er runterkommen sollte und spätestens als er nach Hilfe rief, eilte ich herbei und hob ihn wieder runter. Daraufhin kletterte er wieder hoch, sogar etwas höher – gleiche Situation. Ich wollte schon wieder hineilen, da hielt mich eine Kindergärtnerin zurück und meinte: „Nein, das muss er lernen. Es kann nicht viel passieren. Das Schlimmste ist, wenn er runterfällt. Aber dann tut er sich weh und hat gelernt, dass das Fallen aus dieser Höhe wehtut.“
Eine kleine Geschichte, die mir unglaublich die Augen öffnete. Es stimmte, dieser Junge war mitten in einem Lernprozess und ich hatte ihn dabei unterbrochen und ihn dadurch eher gefährdet als geholfen. Er lernte zu Beginn von mir, wenn er in einer zunächst ausweglosen Situation war, dass Jemand kommt und ihn aus der Situation hilft. Aber das Leben verläuft anders!
Es wird nicht immer jemand da sein, der für uns Entscheidungen trifft und uns aus der Patsche hilft. Und das ist gut so.

Es ist unsere Aufgabe Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen und das Wichtigste: daraus zu lernen.

Manchmal müssen wir uns an einer Kerzenflamme verbrennen, damit wir nicht in einen brennenden Wald reinlaufen und wir müssen uns beim Hinfallen die Hand verstauchen, damit wir merken, dass wir nicht unverletzbar sind.
Aus traurigen und schwierigen Momenten, können große wunderschöne Dinge wachsen. Es ist der Punkt, wo wir am aller meisten lernen und Kraft erzeugen können. Es ist, als würde man im Meer herabsinken und wenn man dann auf dem Boden ist, hat man durch den Widerstand die meiste Kraft sich nach oben abzudrücken.

Das Leben ist nicht dafür gemacht immer Glücklich zu sein. Ja es klingt erstmal unangenehm, denn letztendlich streben wir alle immer nach dem großen Ziel: Glücklich sein. Aber eigentlich ist es die Erfüllung zu verstehen, dass wir die schlechten und traurigen Momente brauchen, um ein erfülltes Leben zu leben. Klingt paradox? Ist es im ersten Moment auch ein wenig. Aber es sind auch die schlechten Zeiten die, die das Leben erst lebenswert machen, die Höhen und Tiefen, die dem Leben den notwendigen Puls geben.

Schon unser Herzschlag, zeigt wie das Leben funktioniert:

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Tod

sinusbradykardie             Leben

Diese Muster finden wir auch in anderen Bereichen des Lebens.
Betrachten wir die Natur und das Universum, die das Leben geschaffen haben, dann ist alles was wir kennen Dual:
Es gibt Plus und Minus, Negativ und Positiv, Hell und Dunkel, Warm und Kalt, alles hat zwei Gegensätze. Wir brauchen die Dunkelheit um die Sonne zu sehen und die Sonne um Schatten zu sehen. Wir schätzen den Sommer besonders, wenn der Winter kalt war. Wir erfreuen uns unserer Gesundheit mehr, wenn wir richtig krank waren.

Wir brauchen schlechte Zeiten, um die Guten zu erkennen und wir brauchen Probleme um daraus zu wachsen.

Das Leben wirft uns immer wieder in unangenehme Situationen. Meines Erachtens ist genau das eines der wesentlichen Aufgaben in unserem Leben: sich zu entwickeln! Denn wenn es keine Entwicklung gibt, dann heißt es, es gibt Stillstand und das macht den Menschen letztendlich unglücklich.

Ich finde mit dieser Einstellung, lässt es sich häufig viel leichter leben. Wenn ein neues Problem auftaucht, tief durchatmen, einen Schritt zurück gehen, die Situation betrachten und Lösungen für dieses Problem suchen – und sei es nur die richtige Einstellung zu diesem Problem zu bekommen.
Ich habe mittlerweile gelernt eine gesunde und auch dankbare Einstellung zu Problemen zu bekommen. Denn,

entweder du löst das Problem oder du lernst – aber in beiden Fällen gewinnst du!

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7 Comments

  • Reply
    Tina
    14. Oktober 2016 at 13:25

    Wunderschön geschrieben, Danke dir

  • Reply
    Ronja
    14. Oktober 2016 at 14:44

    Super schön geschrieben. Würde gerne mehr davon lesen 🙂

  • Reply
    Melissa
    14. Oktober 2016 at 16:09

    Sehr ermutigend!

  • Reply
    Christina
    14. Oktober 2016 at 22:09

    Wie wahr!

  • Reply
    A.
    24. Oktober 2016 at 12:36

    Die Metapher mit dem Meer ist wirklich toll gewählt. Wie oft versteht man nicht, warum es einem schlecht geht oder einem „nur schlechtes“ widerfährt; was relativ betrachtet gar nicht der Fall ist (…). Aber es sind genau diese Momente oder Phasen, die einem sehr viel geben können, beschäftigt man sich damit und lässt sich nicht vom Selbstmitleid auffressen. Es gehört einiges an Selbstreflektion und eigener Ehrlichkeit dazu, aber es ist wie ein kleiner Schatz, den man aus schweren Zeiten mitnehmen kann.
    Vielen Dank für Deine nachdenklichen Worte! 🙂 Love, A.

  • Reply
    BB.
    1. November 2016 at 21:59

    Dieser Text ist wunderschön verfasst. Ich weiß nicht, aber er rührt mich zu tränen, da ich in ihm so viel persönliches wiederfinde. Toller Blog.

  • Reply
    Lydia
    7. November 2016 at 12:05

    Du bist toll. Toller Text liebes. LG

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